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Fiete Schulze


Dieses Foto zeigt eine dänische Frauenabordnung, die am 20. Juni 1935 an Fiete Schulzes Grab einen Kranz niederlegte. So ehrten sie öffentlich den Ermordeten und bekundeten ihre Solidarität mit dem deutschen Widerstand gegen den faschistischen Terror.

25: Vitrine XXIII
Fiete Schulze

Die Ausstellungsstücke in dieser Vitrine sind vor allem dem Arbeiterfunktionär Fiete Schulze gewidmet. Daneben enthält sie die Personalakten des Hamburger Kommunisten Paul Schwarzkopf über seine zwölfjährige Haft. Auf einer Tafel über der Vitrine werden Dokumente zum KZ Neuengamme gezeigt, darunter über die Ausbeutung der Häftlinge als Arbeitssklaven der SS.

Fiete Schulze wurde am 21. Oktober 1894 in Schiffbek geboren. Er arbeitete als Nieter auf einer Hamburger Werft und trat 1913 in die SPD ein. Nach Krieg und Novemberrevolution schloss er sich der USPD an, deren Mehrheit sich 1920 mit der KPD vereinigte. Als Kampfgefährte Ernst Thälmanns leitete Schulze 1923 die Schiffbeker Aktivitäten im Hamburger Oktoberaufstand. Nach Flucht und Emigration kehrte er 1932 nach Hamburg zurück und organisierte mit seinen Genossen den Widerstand gegen den faschistischen Terror. Im April 1933 wurde er festgenommen und nach langer Einzelhaft und Folter im März 1935 dreimal zum Tode und zu 280 Jahren Zuchthaus verurteilt. In einem Abschiedsbrief an seine Schwester schrieb Fiete Schulze: "Du haderst mit den Verhältnissen, die Dir den Bruder nehmen. Warum willst Du nicht verstehen, dass ich dafür sterbe, dass viele nicht mehr eines frühen und gewaltsamen Todes zu sterben brauchen? Noch ist es nicht so, doch hilft mein Leben und Sterben es bessern." Im Hof des Hamburger Untersuchungsgefängnisses wurde er am 6. Juni 1935 mit dem Handbeil enthauptet.

Erst 46 Jahre später, 1981, hob die Staatsanwaltschaft beim Hanseatischen Oberlandesgericht auf Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes das Todesurteil gegen Fiete Schulze auf. 1970 hatte er im Ehrenhain Hamburger Widerstandskämpfer auf dem Ohlsdorfer Friedhof an der Seite seiner Kameraden seine letzte Ruhestätte erhalten.


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