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7. Februar 1933: Illegale KPD-Tagung in Ziegenhals

10: Tafel I
7. Februar 1933: Illegale KPD-Tagung in Ziegenhals

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Die KPD bereitete sich auf die Illegalität vor; zugleich versuchte sie im Wahlkampf zu den für den 5. März angesetzten Reichstagswahlen die noch verbliebenen legalen Möglichkeiten zu nutzen.

Am 7. Februar fand im Sportlokal Ziegenhals (siehe Foto) eine vom Politbüro einberufene illegale Funktionärskonferenz der KPD statt, auf der Ernst Thälmann das Referat hielt. In dieser Rede ging er u.a. auf die Frage ein, warum die Machtübergabe an die Faschisten nicht verhindert werden konnte und meinte: „Wenn wir nicht mehr erreichen konnten, so deshalb, weil wir den Einfluss der SPD- und ADGB-Führer sowie der christlichen Gewerkschaftsführer auf breite Arbeitermassen nicht in dem er-forderlichen Maße zu liquidieren vermochten.“ Als entscheidende Aufgabe für den Sturz des Hitlerre-gimes nannte er die Auslösung einer „Kette ununterbrochener, miteinander verflochtener und sich ge-genseitig ablösender Aktionen, die Entfaltung aller Formen des Massenwiderstandes“. In Hinblick auf die politischen Ziele der KPD betonte Thälmann: „Wir stellen die Frage des Kampfes für den Sturz der Hitlerregierung ... wir stellen sie heute, ... morgen, übermorgen, ... ohne dass wir unter allen Umständen zu 100 Prozent sagen können, dass, wenn uns der Sturz der faschistischen Diktatur gelingt, dies schon mit dem Sieg der proletarischen Revolution direkt verbunden ist.“ Aus Sicherheitsgründen musste die Konferenz vorzeitig abgebrochen werden.

Als drei Wochen später am 27. Februar der Reichstag in Brand gesteckt wurde, erklärte Hitler ihn als „ein von Gott gegebenes Zeichen“, um die Kommunisten „mit eiserner Faust zu vernichten“. Die Fa-schisten eröffneten einen Terrorfeldzug gegen die KPD und alle anderen antifaschistischen Kräfte. Noch in der Brandnacht wurden in ganz Deutschland mehr als 10.000 Mitglieder der KPD, der SPD und bürgerliche Demokraten verhaftet. Einen Tag später trat eine Notverordnung des Reichspräsidenten „zum Schutze von Volk und Staat“ in Kraft, die die in der Weimarer Verfassung verbürgten demokratischen Grundrechte beseitigte. Trotz aller Verfolgungsmaßnahmen und massiver antikommunistischere Propaganda der Faschisten erhielt die KPD bei den Reichstagswahlen am 5. März 4,8 Millionen Stimmen; vier Tage später annullierte die Hitlerregierung die 81 KPD-Mandate. In Hamburg hatten die beiden Arbeiterparteien zusammen 365.081 Stimmen erhalten und damit mehr als die NSDAP mit ihren 318.747 Stimmen.


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