Aufruf zum 120. Geburtstag Ernst Thälmanns
Für eine Welt ohne Ausbeutung und Krieg
Aufruf zum Gedenken an Ernst Thälmann, dessen Geburtstag sich am 16.4.2006 zum 120. Mal jährt
Das persönliche Leben Thälmanns und seiner Familie ist eng mit Hamburg verbunden – was das politische und wirtschaftliche
Establishment der Stadt aber am liebsten vergessen und verschweigen würde. Er wurde hier geboren, ging hier zur Schule, lebte hier mit seiner
Frau und seiner Tochter. Von 1919 bis 1933 gehörte er der Hamburgischen Bürgerschaft an.
Ernst Thälmanns politisches Leben und Wirken ist untrennbar mit der Geschichte der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung
verbunden, die in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts von größten Hoffnungen, großen Erfolgen und verheerenden Niederlagen gekennzeichnet
war.
Als einfacher Arbeiter wurde er Mitglied der Gewerkschaften und der SPD im wilhelminischen Kaiserreich. Die Hoffnungen auf einen
sozialdemokratischen Volksstaat zerstoben in der Zustimmung zu den Kriegskrediten und in der Burgfriedenspolitik der SPD-Führung im ersten Weltkrieg.
Thälmann zog die Konsequenzen und verließ zusammen mit tausenden Anderen die SPD und schloss sich der USPD an.
Am Ende des Weltkriegs standen die Oktoberrevolution 1917 in Russland und ein Jahr später die Novemberrevolution in Deutschland.
Aus dem Verrat der SPD-Führung unter Ebert und Noske an der Revolution und den Halbheiten der USPD zog Thälmann erneut die Konsequenzen
und trat mit einem großen Teil seiner USPD-Genossen 1920 in die KPD ein. Aus den Hoffnungen auf eine grundlegende sozialistische Umgestaltung
Deutschlands war die Weimarer Republik geworden, deren wirtschaftliche und politische Eliten nahtlos an das Kaiserreich anküpften: Der
Kaiser ging, die Generäle blieben.
Ernst Thälmann wurde 1925 der Vorsitzende der KPD, der größten kommunistischen Partei außerhalb Russlands. Von 1924 bis 1933 war er
Abgeordneter des Deutschen Reichstages. 1925 und 1932 kandidierte er für das Amt des Reichspräsidenten. Grundtenor des KPD-Wahlkampfes war:
Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler – wer Hitler wählt, wählt den Krieg. Der im zweiten Wahlgang gewählte Hindenburg übergab neun Monate
später Hitler durch die Ernennung zum Reichskanzler die Macht.
Der Name Thälmann ist verbunden mit dem Aufstieg der KPD zur Massenpartei und mit großen Massenaktionen in der Weimarer Republik
– gegen Krieg und Faschismus, aber auch für die Fürstenenteignung. Sein Name ist aber auch mit Fehlern und Niederlagen verbunden. Durch die fehlende
Einheit von Sozialdemokraten und Kommunisten konnte die Machtübertragung an die Faschisten nicht verhindert werden. Thälmann schrieb 1944 an
einen Mitgefangenen: "Auch wir haben…teilweise große politische Fehler gemacht, leider manches versäumt und unterlassen, was wir…hätten tun
müssen, um den Faschisten den Weg zur Staatsmacht zu versperren".
Thälmann wurde am 3. März 1933 von den Faschisten eingekerkert. In der internationalen Solidaritätsbewegung für die Opfer des
Faschismus und für seine Freilassung wurde sein Name zu einem Synomym für eine unbeugsame Haltung gegenüber dem Faschismus. Nach über elf Jahren
Haft ohne ein Gerichtsverfahren wurde Thälmann am 18. August 1944 im KZ Buchenwald auf direkten Befehl Himmlers und Hitlers erschossen. Seine
Ermordung fand in der bundesdeutschen Justiz bis heute keine Sühne.
Seiner zu gedenken heißt, für den Anspruch auf die Verwirklichung einer besseren Welt ohne Ausbeutung, Hunger und Krieg zu kämpfen.
Dieser Kampf gegen den Kapitalismus und seine Gebrechen ist heute genauso nötig wie zu Lebzeiten Thälmanns - angesichts weltweit millionenfachen
Hungers und Elends, des Einsatzes deutscher Soldaten auf internationalen Kriegsschauplätzen, Millionen von Arbeitslosen und des unter rot-grün
begonnenen und nun unter der großen Koalition fortgesetzten Sozialabbaus großen Stils à la Hartz und Agenda 2010.
Trotz alledem:
Eine sozialistische Welt ist möglich
01.03.2006
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